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Aktuelles

CSR – Verantwortung für sich und andere übernehmen


Soziale Kompetenzen müssen gefördert werden.
Werden soziale Kompetenzen und Verantwortungsgefühl sich selbst, anderen und der Gesellschaft gegenüber bei Jugendlichen ausreichend gefördert? Nein, meint Dr. Eva-Maria Kabisch und nimmt die Schulen in die Pflicht: Sie fordert die fachübergreifende Einbeziehung von genereller Verantwortung in den Schulalltag.

Verantwortungsgefühl – dieser Begriff beschreibt die Fähigkeit zur Empathie und zum umsichtigen Wahrnehmen des eigenen Umfeldes, das Wissen um Konsequenzen und Auswirkungen von eigenem und fremdem Handeln. Neben Familie, Freunden und Medien haben gerade Schule und Bildung einen besonders starken Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen – und diese Position müssen Schule und Bildungsinstanzen bewusster annehmen. Zu einem modernen Bildungsverständnis gehört heute auch mehr denn je ein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Dies beinhaltet auch Wissen um die Zusammenhänge zwischen unserem Handeln als Arbeitnehmer, Unternehmer und Verbraucher sowie den Konsequenzen, die sich in unseren zunehmend global vernetzten Systemen daraus ergeben. Dass wirtschafts-und unternehmensethische Bildungsinhalte in den Unterricht integriert werden sollten, steht gerade auch angesichts aktueller Krisen außer Frage. Wenn die Themen Wirtschaftsethik, Unternehmensmoral und bürgerschaftliches Engagement nachhaltig unter junge Leute gebracht werden sollen, müssen die Mittel und Wege dahin grundlegend verändert werden – nicht zuletzt durch die Erarbeitung neuer Unterrichtsmaterialien, die aufgrund der immensen Stofffülle bei immer knapper werdenden Zeitbudgets in die Lehrpläne verschiedener Fächer integriert werden müssen.

Ein Problem ist auch, dass wirtschaftliche Zusammenhänge in unseren Schulen bisher überwiegend im Rahmen des Vergleichs der politischen Systeme vermittelt wurden. Damit wurde lediglich der Eindruck einer Welt verstärkt, die abstrakt sei und nur mittelbar mit jedem einzelnen Bürger und seinen Einwirkungsmöglichkeiten zu tun habe: betroffen ja – beteiligt und mitverantwortlich, nein. Welche Kraft demgegenüber eine sogenannte „corporate identity“, die Solidarität von Bürgerinnen und Bürgern, in einer schweren Krise entfalten kann, hat die Bewegung „Together we stand“ in den USA nach dem Schock des 11. September 2001 gezeigt, aktuell noch einmal aufgenommen in „Yes, we can!“ des neuen US-amerikanischen Präsidenten, als Signal für einen gemeinsamen gesellschaftlichen Aufbruch in zukunftsorientierter, selbstbewusster Verantwortung jedes Einzelnen. Mit jungen Menschen muss „vorwärts“ gedacht werden.

Trotz der Problemlage ist also Zuversicht angesagt. Denn die inhaltlichen Dimensionen der „Corporate Social Responsibility“, des freiwilligen Beitrags zu einer nachhaltigen Entwicklung, berühren Bereiche, für die sich Jugendliche bereits jetzt interessieren und für die sie sich engagieren. So zum Beispiel der schonende Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, der Respekt vor Natur und Umwelt. Als junge Konsumenten sind sie durchweg an verlässlichen Verbraucherinformationen interessiert, an Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten.

Im Zuge verstärkter Berufsorientierung in intensiven Praktika im Bereich der Mittelstufe (Klasse 8 bis 10), wie sie fast alle Bundesländer im Rahmen der Neukonzeption von Schulstrukturen vorsehen, erhalten Schülerinnen und Schüler Einblicke in Unternehmen und Betriebe, erfahren die Grundsätze von Mitarbeiterführung oder Betriebsklima ganz persönlich. Das Grundverständnis von CSR sollte in der Schule nachvollziehbar auf die Situation und den Lebens- und Erfahrungshorizont eines Heranwachsenden übertragen werden, die Negierung von Eigeninteressen und die Forderung nach altruistischer Selbstaufgabe sind lebensfremd. Wichtiger sind argumentative Reflexion, Hinführung zu umsichtigen Entscheidungen und konsequentem, bewusstem Handeln sowie auch zur klaren Definition der persönlichen Ziele und Interessen mit der Einsicht in eine erfolgversprechende Selbststeuerung.

Vorschläge für die Umsetzung in Schule und Unterricht

Der Diskurs über CSR wird derzeit noch weitgehend auf der Ebene der Unternehmen und Verbände geführt. In den Schulen ist das Thema noch nicht wirklich angekommen. Für eine zeitnahe Integration in den Unterricht muss als Voraussetzung für Erfolg versprechende Akzeptanz die gegenwärtig schwierige Situation in den Schulen in die Strategie mit einbezogen werden: Kompetenz- und Standardanforderungen in allen Fächern, die Verkürzung der Schulzeit bei gleichbleibenden Anforderungen, eine zunehmend heterogene Schülerschaft und fehlende Unterstützung durch die Elternhäuser. Auch soziale Probleme im Zuge der wirtschaftlichen Unsicherheit sowie Fachlehrermangel und Überalterung der Lehrerschaft sind Bereiche, welche die Eingliederung neuer Themen erheblich erschweren.

Deswegen müssen Modelle entwickelt werden, in denen nicht zuerst zusätzliche Fächer und Stundenzahlen gefordert werden. Vielmehr muss es möglich sein, dass die Themen in die laufenden Unterrichtsprozesse und in die bereits bestehenden Anforderungen, fachliche wie allgemeine Kompetenzen zu vermitteln, eingebunden werden können. Konkret bedeutet dies etwa Texte mit entsprechendem Inhalt im Deutschunterricht, Berechnungsmodelle für nach ökologischen Vorgaben arbeitende Betriebe im Mathematikunterricht oder Abläufe nach CSR-Kriterien als fächerverbindendes Projekt im Rahmen von Studientagen.

Der Erfolg liegt dabei in der unmittelbaren Präsenz dieser Themen in mehreren fachlichen Bereichen – CSR also nicht als isoliertes Fachthema, sondern als durchgängige unterrichtliche Strategie. Darüber hinaus sollte der Themenbereich CSR Unterstützung erfahren durch eine Intensivierung der Kooperation von Schulorten mit Unternehmen, eine Ausweitung und intensive Vor- und Nachbereitung der Betriebspraktika der Lernenden sowie durch die Entwicklung von Schulprofilen und aktueller Unterrichtsmaterialien zum Thema. Durch viele unterschiedliche Zugänge, aber eine durchgängige inhaltliche Linie könnte CSR als ganzheitliche Strategie schulisch umgesetzt werden.

Dr. Eva-Maria Kabisch
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung


Informationen zum Thema Corporate Social Responsibility
mit umfangreicher Linkliste:
www.jugend-und-bildung.de/mitverantwortung

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