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Netbooks - nur der neueste Schrei oder nützliche Helfer im Unterricht?


Digitale Medien im Unterricht, das kann Vieles bedeuten: den Einsatz eines interaktiven Whiteboards im Klassenzimmer, der gemeinsame Besuch des Computerraums der Schule oder die Bearbeitung der Hausaufgaben am heimischen Rechner. Computer und Internet sind auf vielfältige Weise im Unterricht angekommen, durchdrungen haben sie ihn aber noch nicht. Das könnte sich bald ändern.

In einer 5. Klasse an der Marienschule in Leverkusen-Opladen herrscht reges Treiben. Fachübergreifender Projektunterricht ist angesagt. Licht und Schatten lautet das Thema, das gemeinsam in den Fächern Kunst und Physik erarbeitet wird. Der Klassenraum einer siebten Klasse am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium ist hingegen leer. Die Schüler sind zum Mathematikunterricht auf dem Schulhof. Zwei Beispiele für innovativen Unterricht, denen eines gemein ist: Die Schüler arbeiten in beiden Klassen mit Classmate PC – Netbooks, die speziell für den Einsatz im Unterricht entwickelt wurden. Neue Medien sollten gerade in der heutigen Zeit zu den Elementen des Schulalltags gehören, die Lernende in ihrer gewohnten Lernumgebung vorfinden. Aus dieser Einsicht heraus entstanden bereits vor mehr als zehn Jahren die ersten Notebook-Klassen, mobiles Lernen wurde propagiert.

Flächendeckend durchgesetzt hat sich dies bisher aber nicht. Warum nicht? Die Gründe sind vielfältig: Die Kosten sind zu hoch, die Lehrer fühlen sich nicht ausreichend fortgebildet, fundierte pädagogische Konzepte fehlen. Zudem sind die älteren Geräte, die bisher den Unterricht dominierten, schwer und unhandlich für Kinder und Jugendliche. Eine neue Alternative für das Unterrichten mit digitalen Medien in der Schule sind Netbooks wie der Classmate PC, der kleine Bruder der großen Notebooks. Er ist mit kleineren Tastaturen und Bildschirmen, aber leistungsstarken Prozessoren ausgestattet. Die Geräte sind einerseits klein und leicht, und andererseits robust genug, um den Härtetest in der Schule zu bestehen. Zudem fügen sich die Netbooks nahtlos in die Lernumgebung der Schüler ein und erweitern sie in verschiedene Richtungen. Mit kaum mehr als 300 Euro sind sie darüber hinaus relativ günstig anzuschaffen.

Zurück an die beiden Schulen: In Leverkusen ist ein abwechslungsreiches Stationenlernen aufgebaut. Die Schüler experimentieren mit Lampen, Linsen, Spiegeln und Gegenständen, sie erkunden das Thema Licht und Schatten künstlerisch mit Farbe und Pinsel und veranschaulichen das Spiel der Strahlen in Computersimulationen. In Bonn findet eine Schatzsuche auf dem Schulhof statt, dazu wird Mathematik ganz praktisch angewendet: In einer dynamischen Mathematiksoftware, die ein Luftbild der Schule zeigt, tragen die Lernenden Seiten- und Winkelhalbierende ein und finden so den Schnittpunkt, an dem der Schatz liegt. Die Netbooks lassen sich problemlos transportieren, und sie finden Platz in einer reichhaltig ausgestatteten Lernumgebung. Neben den Rechnern bleibt Platz für Schulbücher, ausgedruckte Texte, das Heft und auch für eine kleine Versuchsanordnung.

Die Schüler sind von der neuen Technik begeistert. Sie freuen sich über die Möglichkeiten, Zeichnungen besonders exakt auszuführen, Sachverhalte in Simulationen genau nachvollziehen zu können, Dinge so
lange ausprobieren zu können, wie sie es für sich brauchen. Weder die kleinen Tastaturen noch die Displays bereiten den jungen Menschen Schwierigkeiten, da sie dies von Handys und mobilen Spielkonsolen gewohnt sind. Insgesamt würden sich die Lernenden wünschen, häufiger und in allen Fächern in dieser Form lernen zu dürfen.

Doch so weit ist es noch nicht, denn bisher nehmen sie nur an einem Test teil, in dem sich das Potenzial der neuen Geräte zeigen soll. Unternommen werden die Tests an Schulen im ganzen Bundesgebiet von Naturwissenschaften entdecken!, einem Projekt von Schulen ans Netz e.V. Ermöglicht werden die Versuche durch einen Spende der Arbeitgeberverbände Gesamtmetall, die einen attraktiveren mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht unterstützen.
Aber nicht nur die Rückmeldungen der Schüler sind positiv, auch die Lehrer sehen viele Einsatzmöglichkeiten der Rechner – vor allem eben deshalb, weil der Zugriff einfach und ohne großen Mehraufwand möglich ist. So können digitale Medien den lange postulierten Mehrwert voll ausspielen. Der lange, Zeit raubende Weg in den Computerraum entfällt, und auch die nächste Treppe, an der die Reise eines jeden Notebookwagens zu Ende geht, stellt keine Hürde mehr dar. Ein Klassensatz Netbooks lässt sich leicht in einer Alubox oder einer Sporttasche transportieren.

Nils van den Boom schlendert am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium über den Schulhof und schaut den in Gruppen arbeitenden Schülern über die Schultern. Er lässt sich ihre Lösungswege erläutern und gibt Tipps. Matthias Nolte in Leverkusen hingegen ist an allen Stationen gefragt, die Schüler fordern seinen Rat ein und möchten ihre Ergebnisse vorzeigen. Beide Lehrer sind sich einig: Die Hauptarbeit für die Unterrichtenden liegt in der Vorbereitung der Lerneinheiten. Danach können die Schüler weitgehend eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten und in ihrem Lernprozess von Zeit zu Zeit individuell und gezielt unterstützt werden.

Aber nicht nur der Unterricht verändert sich. Die kleinen Geräte bringen auch die Diskussionen im Lehrerzimmer in Gang. Wäre ein Klassensatz Netbooks nicht besser als ein High-End-Netbook für die Lehrerpräsentation? Wäre es bei den geringen Kosten nicht auch sinnvoll, jeder Schüler würde sein eigenes Netbook kaufen? Aber müssten dann nicht alle (!) Lehrer mit den Geräten arbeiten? In allen Fächern? Mit welchen Materialien? Diese und andere Fragen skizzieren die Hauptaufgaben für die Zukunft. Die Technik digitaler Unterrichtsmedien hat einen Reifegrad und ein Preisniveau erreicht, die es ermöglichen, den Unterricht zu durchdringen. Noch aber sind es hauptsächlich die „medienaffinen“ Lehrer, die sich der modernen Technik bedienen. Auch didaktische Modelle und beispielhafte Unterrichtseinheiten sind vorhanden, decken aber noch nicht den gesamten Lehrplan ab. Ebenso ist der Aufbau und Betrieb umfassender digitaler Lernumgebungen noch nicht fester Bestandteil der Entwicklungsarbeit jeder Schule.

Richard Heinen, Projektleitung Naturwissenschaften entdecken!, Schulen ans Netz e.V.

Linktipps
Naturwissenschaften entdecken!
Das Projekt von Schulen ans Netz e.V. entwickelt Unterrichtsmaterial für den mediengestützten mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht.
www.naturwissenschaften-entdecken.de